Den dotierten Preis erhielt der Plakatkünstler Dafi Kühne aus Näfels in der Schweiz. Seine Masterarbeit mit dem Titel ›Alternatives to wood type in the 20th century‹ (University of Reading – Department of Typography and Graphic Communication) überzeugte die Jury durch die Recherchetiefe und Interdisziplinarität. Als Referenz setzt er den Herstellungsprozess von mit dem Pantografen gefrästen Plakatschriften aus Vollholz. Er beschreibt die Technik, die Maschinen und Materialien, aber auch die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So war anfangs der Markt geteilt: Die klassischen Schriftgießereien beschäftigten sich nicht mit dem Fräsen von Holz, und die Holzletternhersteller beschäftigten sich nicht mit dem Gießen aus Blei. Erst mit der Erfindung des Kunststoffs Trolon, einer Bakelit-Variante, begannen auch etablierte Schriftgießereien wie VEB Typoart und die Haas’sche Schriftgiesserei AG, Schriftgrade über 72 Punkt zu fräsen. Vorangegangene Versuche des Gießens brach man ab, da die Schrumpfung des Materials keine qualitätsgesicherte Produktion zuließ. Die Berthold AG vermarktete ihre Lettern intensiv unter dem Eigennamen ›Plakadur‹, ein Akronym aus Plakat und Durable (Haltbarkeit). Man erfährt zahlreiche Details, wie z. B., dass Trolon in jeder Farbe eingefärbt werden kann und die Berthold AG wohl nur aus Marketinggründen die an Holz erinnernde braune Farbe gewählt hat. Wie anders sähen unsere heutigen Werkstätten aus, hätte man knallrosa oder azurblau gewählt. Dafi Kühne dokumentiert und illustriert auch farbige Objekte sowie weitere Materialalternativen, wie Furnierholz, erhitzte Zellulose, Aluminium und andere Kunststoffversuche. Seine Methode ist das Studium von Objekten und Prospekten, ergänzt durch zahlreiche Expertengespräche. Und es gelingt ihm überzeugend, technische Innovationen mit dem Wettbewerbsumfeld im beginnenden Umbruch zum Fotosatz in Beziehung zu setzen.