Laudatio Katharina Lutz

Die ausgezeichnete Arbeit von Katharina Lutz entstand 2023 im Rahmen ihres Designstudiums an der Mediadesign Hochschule in München. Sie trägt den Titel »Das Alphabet der Entschleunigung« und war ihre Abschlussarbeit, betreut von Prof. Sybille Schmitz und Birgit Burgermeister.

Katharina Lutz’ sehr umfangreiche, und in ihrer Tiefe herausragende Arbeit, besteht aus drei Teilen, sowie einer begleitenden digitalen Präsentation. Lutz beschreibt ihre Arbeit selbst als »Suche nach Entschleunigung und neuer Modernität durch analoges Arbeiten«, und genau das ist es, die Suche und Erforschung analog-digitaler Gestaltungsansätze.

Ihre Arbeit ist nicht im engeren Sinne »wissenschaftlich« gedacht, sondern versucht, sich dem Thema künstlerisch-experimentell zu nähern. Ein Selbstversuch, in drei Schritten …

Schritt 1 umfasste im Wesentlichen das Drucken von zuvor hergestellten Hochdruckformen auf einer Abziehpresse. Das Erkunden von Hochdruck als Experimentierfeld in allen seinen Facetten. Es wurden Grundformen, Kreise als Ausgangsmaterial, aus Holz geschnitten, in umfangreichen Serien druckend variiert.
Im Schritt 2 folgte eine akribische Analyse des Materials, theoretische Recherchen dazu, u.a. eine kleine »Tiefenbohrung« in die Geschichte der Formen- und Farblehre, insbesondere der Theorien des Bauhauses.
Der Schritt 3 führte das Erprobte dann zusammen, es entstand eine modular aufgebaute Schrift, ausgehend von den zuvor erprobten Grundformen. Mit dem finalen Ergebnis, dass alle Buchstaben des Alphabets in einem analog gedruckten Unikatbuch inszeniert wurden.

Dieses Unikatbuch stellte den ersten Teil der Publikation dar. Dieser Part ist die buchkünstlerische Seite des Projektes.

Ein zweiter Teil, das 140-seitige Tagebuch, begleitet die Untersuchungen akribisch, alle Arbeits- und Zwischenstufen wurden analog fotografiert und detailliert beschrieben. Ein making-of, das schon für sich einen besonderen Einblick in die Arbeit gibt. Getragen auch durch die sehr schönen, vielfältigen schwarz-weiß-Fotos des Materials, der Werkzeuge und Maschinen.

Schließlich rundete Katharina Lutz ihre Arbeit durch einen dritten, wieder sehr umfangreichen Part ab, der auf gut 150 Seiten ihre Herangehensweisen und alle Ergebnisse beschreibt. Hier wird deutlich, dass sich die Autorin sehr ausführlich in die verfügbare Literatur zum Thema eingearbeitet hatte.

Aber lassen wir die Autorin selbst zu Wort kommen:
»Analoge Experimente im Designbereich führen zu spannenden, originellen und unkonventionellen Ergebnissen, die in ihrer Modernität, vergleichbare Arbeiten, die mit rein digitalen Mitteln erstellt wurden, zu übertreffen vermögen.
Es ist möglich mit Methoden aus dem Industriezeitalter – gezeigt an Bleisatz/Handsatz und analogem (Hoch-)druck – ein modulares, grafisches System zu entwickeln, das den höchsten Modernitätskriterien der heutigen Zeit gerecht wird. Durch die, den digitalen Raum verlassenden Arbeiten können auch Personen, die nicht mit Gestaltungsprogrammen am Computer vertraut sind, die Bausteine für individuelle moderne Gestaltung nutzen und Interesse oder Sinn für Gestaltung entwickeln.«

Die Jury überzeugte die außergewöhnlich akribische und systematische Vorgehensweise von Katharina Lutz, die gestalterische Qualität ihrer Publikationen, die ja tatsächlich aus drei Teilen besteht. Und jeder Teil ist für sich ist sehens- und lesenswert.

Oder, um es salopp zu sagen, könnte man das veröffentlichen?
Aber ja …