Laudatio Alica Lingnau

Die zweite Auszeichnung erhielt Alicia Thea Lingnau aus Berlin, welche diese persönlich in Stralsund entgegennehmen konnte (vgl. Foto). Ihre Bachelorarbeit ›Der frühe Koreanische Typendruck und seine Rezeption in deutschen Technikmuseen‹ (Berliner Hochschule für Technik, Studiengang Druck- und Medientechnik) beschreibt wie Dafi Kühne nicht nur die Technik, das Sandguss- und Wachsausschmelzverfahren, sondern auch die Rahmenbedingungen der Innovation. Das früheste erhaltene Druckprodukt aus beweglichen Metalltypen, das Jikji, entstand 1377, also über 70 Jahre vor der Erfindung der Gießtechnik durch Johannes Gutenberg. Doch alles, was in Korea im Bereich Satz, Druck und Papier geschah, passierte ausschließlich unter staatlicher Vorgabe und Aufsicht. Da zudem der traditionelle Holzblockdruck für hohe Auflagen wesentlich konkurrenzfähiger war als der im Druck instabile Typendruck, verbreitete sich das Verfahren kaum. Alicia Lingnau analysiert in ihrer Arbeit, wie die deutschen Museen die Vorläufer der Erfindung des Buchdrucks rezipieren. Sie recherchiert 17 Technikmuseen mit druckgrafischen Abteilungen, darunter zehn nicht-staatliche Museen, die sie mit Bezug auf Dr. Angela Janelli, Kuratorin am Historischen Museum Frankfurt, als ›wilde Museen‹ kategorisiert. Ihre Methode ist neben dem kritischen Literaturstudium, in dem auch die umstrittene Diskussion des Herstellverfahrens des Jikjis aufgegriffen wird, das Expertengespräch mit Sammlungsleitern und Sammlungsleiterinnen. Die Ergebnisse sind in einer übersichtlichen Tabelle entlang der Aufgaben von Museen dokumentiert und zeigen, dass von den sieben untersuchten staatlichen Museen alle die Technik wahrgenommen und vermutlich auch in den Bibliotheken aufgenommen haben. Fünf Museen forschen im Themengebiet, und drei hatten bereits Sonderausstellungen, verständlicherweise in direktem Vergleich mit der Erfindung Gutenbergs. Drei Museen haben das Thema in die Dauerausstellung integriert. Bei den ›wilden Museen‹, meist Heimatmuseen, ist das Thema verständlicherweise nicht präsent, mit Ausnahme der Offizin Peter Schöffer im hessischen Gernsheim. Die Jury ehrt die Recherchetiefe und die interessante interdisziplinäre Fragestellung.