Digitalisierung

Beschreibung

Der Verein engagiert sich nachhaltig und erfolgreich für die Digitalisierung historischer Schriftproben.

Was bisher geschah

Von 2021 bis 2023 wurden unter dem Projekttitel ›Die Sichtbarmachung des Sichtbaren – Berlins typografisches Kulturerbe im Open Access‹ über das ursprüngliche Mengengerüst hinaus 337 Schriftproben mit insgesamt 26.311 Seiten digitalisiert und dauerhaft online unter Public Domain Mark 1.0 bereitgestellt werden. Ergänzend entstanden aus der Werkstattpraxis der Erik Spiekermann Foundation u. a. 302 Schriftandrucke (116 Schriftschnitte), die ebenfalls digital zugänglich gemacht wurden.

Möglich wurde dieses Projekt durch das digiS-Förderprogramm Digitalisierung 2021 und als Verbundprojekt von Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin, Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin und der Erik Spiekermann Foundation. Im Zentrum stand die Erschließung und Digitalisierung historischer Druckschriften – von Schriftmusterbüchern bis zu Andrucken aus Blei-, Holz- und Plakadur – mit Fokus auf Berliner Schriftgeschichte (u. a. H. Berthold AG, ca. 1860–1950).

Die Ergebnisse wurden im Open Access veröffentlicht und damit für Forschung, Lehre und Gestaltungspraxis nachhaltig verfügbar gemacht.

Was derzeit läuft

Auf die Ergebnisse aufbauend wurde 2024 ein Förderantrag für eine bundesweite Pilot-Digitalisierung bei der DFG eingereicht und am 25.3.2025 bewilligt. Die DFG fördert damit über 2 ½ Jahr das Projekt ›Das typographische Kulturerbe Deutschlands im Industriezeitalter – ein Pilotvorhaben zur Massendigitalisierung historischer Schriftproben (1820–2000)‹.

Auch dieses Porjekt ist ein Verbundprojekt. Beteiligt sind wieder die Staatsbibliothek zu Berlin, die Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, die Deutsche Nationalbibliothek und Buchwissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Wozu das gut sein soll

Das Projekt macht ein zentral wichtiges, aber oft schwer zugängliches Quellenkorpus der Schrift- und Buchkultur frei verfügbar: historische Schriftproben und Schriftmuster. Damit stärkt das Vorhaben die Sichtbarkeit von Typografie als Bestandteil des schriftlichen Kulturerbes und schafft eine belastbare Grundlage für weiterführende, auch überregionale Digitalisierungs- und Forschungsprojekte.

Schriftmuster sind essenzielle Quellen für Buch-, Medien-, Design- und Technikgeschichte, waren aber bislang oft nur vor Ort nutzbar. Open Access reduziert diese Zugangsbarrieren und ermöglicht internationale Anschlussforschung. Das erste Berliner Vorhaben und auch das jetzt durch die DFG unterstützte zweite Vorhaben verstehen sich explizit als Testfeld für skalierte Folgeprojekte. So werden Standards für die Darstellung und die Workflows möglich, und die Kooperationen der beteiligten Institutionen werden verstärkt.

Der immer größer werdende Korpus ermöglicht Buchwissenschaften, Veröffentlichungen ohne Datum und Ort besser einzugrenzen, Typedesignern, Schriften und ihre Geschichte vertiefter zu verstehen und für eigene Projekte zu nutzen, und er ermöglicht, Trainingsmaterial für die automatische Schrifterkennung unter Einsatz Künstlicher Intelligenz zu nutzen, um in Hinblick auf die Verbesserung von OCR-Verfahren zur Volltexterzeugung als auch zur Identifikation identischer Schriften mit Mustererkennungsmethoden eingesetzt zu werden. Denn die Bestimmung gerade älterer Typen, die mehr Variation im Formenprogramm aufweisen oder als Zierschriften solche Varianten sogar absichtlich einführen, stellen immer noch eine Herausforderung für die maschinelle Schrifterkennung dar. Und sogar literarisch können sie eine Quelle der Freude sein, so der Beitrag von Thomas Rahn 2022 zu: Caprice: Eine Delikatesse! Zum dadaistischen Potential historischer Schriftproben.

Wo man die Schriftproben heute bereits findet

Wer die Ergebnisse erkunden will, findet sie auf diesen drei Seiten:

337 Schriftmusterbücher aus dem Bestand der Staatsbibliothek Berlin: Sammlung Staatsbibliothek Berlin

189 Schriftmusterbücher der Berthold AG (aus Urheberschutzgründen bis 1951) aus dem Bestand der Stiftung Deutsches Technikmuseum:
Schriftmusterbücher Sammlung Berthold AG (Deutsches Technikmuseum)

302 für das Projekt erstellte Proben aus dem Bestand der Erik Spiekermann Foundation gGmbH:
Schriftandrucke Erik Spiekermann (Deutsches Technikmuseum)

Publikationen zum Thema

Podcast-Feature ›Schriftschwärmer – die bunte Warenwelt der Schriftproben‹, initiiert und produziert von Katharina Walter

Mathieu, Christian (2021): Die Sichtbarmachung des Sichtbaren – Berlins typografisches Kulturerbe im Open Access

Mathieu, Christian (2022): Aktualisiert: Mit Internet & Radio – Open Access für das typografische Kulturerbe Berlins

Mathieu, Christian (2022): Caprice: eine Delikatesse! Zum dadaistischen Potential historischer Schriftproben

Mathieu, Christian (2022): First we take Berlin – ein typografiehistorischer Projektrückblick nach vorn

Wallbach, Kerstin; Ruhl, Marcel; Reynolds, Dan (2023): Handzeichnungen der Berthold-Bibliothek für den Fotosatz – „Artwork diatronic, 19 Meter, 270.000 Handzeichnungen“

Mathieu, Christian (2025): First we took Berlin – ein weiterer Schritt zur Open Access-Transformation des nationalen typographischen Kulturerbes